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Hormus, Hängepartie, Hoffnungsmarkt

Der Iran-Konflikt geht in den vierten Monat, ein Rahmenabkommen steht im Raum – doch die zentralen Streitpunkte bleiben ungelöst. Wo Anleger jetzt Hebel finden.

Geopolitik und Märkte

Im Zentrum aller Verhandlungen steht ein einziger Wasserweg. Die Straße von Hormus, jenes etwa 50 Kilometer breite Nadelöhr zwischen Oman und Iran, durch das in normalen Zeiten rund ein Viertel des global verschifften Rohöls und etwa ein Fünftel des verflüssigten Erdgases fließen, ist seit Ende Februar de facto blockiert. Iran hat den Verkehr unter eigene Kontrolle gestellt, Schiffe nur gegen hohe Gebühren passieren lassen und schließlich ganz dichtgemacht, bis die US-Marine ihre Blockade iranischer Häfen aufhebt. Das Resultat: Tausende Schiffe stauen sich im Golf, eine sechsstellige Zahl Container hängt fest, die Versicherungsmärkte für die Region sind weitgehend kollabiert. Die Route um das Kap der Guten Hoffnung ist zur Standardannahme für Asien-Europa-Verkehre geworden.

Ein Deal, der keiner ist

Auf dem Papier liegt seit Ende Mai ein Memorandum auf dem Tisch: 60 Tage Waffenruhe, in denen Hormus gebührenfrei wieder geöffnet, die von Iran gelegten Minen geräumt und die US-Blockade aufgehoben werden sollen. Parallel sollen Gespräche über das iranische Atomprogramm beginnen. Doch das Dokument trägt noch keine Unterschrift. Präsident Trump pendelt im Tagestakt zwischen Optimismus und offener Drohung: Mal heißt es, die Einigung sei „weitgehend ausverhandelt", mal mahnt er, man werde den Iran „erledigen", sollten die Verhandlungen scheitern. Teheran wiederum widerspricht öffentlich der gebührenfreien Passage und bezeichnet zentrale Klauseln als Erfindung. Beide Seiten signalisieren, dass sie es sich leisten können zu warten – ein gefährlicher Mechanismus, bei dem keine Seite genug Druck zu spüren glaubt, um wirklich nachzugeben.

Iran ist geschwächt, aber nicht besiegt

Ökonomisch ist die Islamische Republik in der Defensive: Die Wirtschaft schrumpft, Devisenreserven sind weitgehend eingefroren, die Marine und Luftwaffe wurden in den ersten Wochen des Konflikts weitgehend ausgeschaltet. Doch militärisch verfügt das Regime weiter über asymmetrische Mittel – Schnellboote, See- und Landminen, Boden-Luft-Raketen. In jüngster Zeit wurden eine US-Aufklärungsdrohne sowie zwei iranische Minenleger ausgeschaltet. Der Tod des langjährigen geistigen Oberhaupts Khamenei in den frühen Wochen des Konflikts hat eine ungeklärte Nachfolgefrage hinterlassen, was Verhandlungen zusätzlich erschwert. Strategen weisen darauf hin, dass der Westen die ideologische Härte des verbliebenen Machtzirkels womöglich unterschätzt.

Das Atomprogramm – der eigentliche Sprengsatz

Während Hormus die kurzfristige Marktreaktion bestimmt, ist die Atomfrage die langfristig entscheidende. Iran hat Bestände an angereichertem Uran in unterschiedlichen Reinheitsgraden, darunter waffenfähiges Material. Verhandelt wird, wohin diese Bestände gehen sollen – die USA verlangen Ausfuhr in ein neutrales Land oder Vernichtung, lehnen aber sowohl Russland als auch China als Aufnahmeland ab. Iran wiederum will die Bestände im Land behalten oder zumindest die Option auf Rückführung. Ein zweiter Knackpunkt sind eingefrorene iranische Guthaben in zweistelliger Milliardenhöhe, von denen Iran einen erheblichen Teil sofort freigegeben sehen will – was Washington bislang kategorisch ablehnt.

Der Ölpreis als Schwingung der Diplomatie

Der Markt preist diese Hängepartie in Echtzeit ein. Brent hatte im April nahe einem Spitzenwert in der Größenordnung über hundertdreißig Dollar je Barrel notiert, hat sich seither aber spürbar zurückgebildet und pendelt nun – getrieben von den vagen Andeutungen einer baldigen Einigung – im mittleren Achtziger-Bereich. Die Forward-Kurve erzählt die deutlichere Geschichte: Front-Month-Kontrakte bleiben erhöht, längere Laufzeiten preisen bereits eine teilweise Normalisierung ein. Banken haben ihre Jahresendprognosen entsprechend nach unten korrigiert, warnen aber unisono: Eskaliert der Konflikt erneut, wäre ein dreistelliger Ölpreis im Jahresdurchschnitt wieder das Basisszenario.

Was das für Anleger bedeutet

Direkte Wetten auf den Ölpreis – egal in welche Richtung – sind in dieser Lage fast reine Geopolitik-Trades. Wer Hebel auf das Szenario einer Öffnung von Hormus sucht, ohne sich Rohstoff- oder Einzeltitelrisiken aufzuladen, schaut besser auf Volkswirtschaften, deren Wohl und Wehe am unmittelbarsten an der Wiederöffnung des Wasserwegs hängt. Japan ist der prominenteste Fall: Über neun Zehntel seines Rohöls importiert das Land aus dem Nahen Osten, der ganz überwiegende Teil davon durch die Straße von Hormus. Eine geordnete Wiederöffnung – auch nur eine teilweise – würde die Importrechnung entlasten, die Inflation dämpfen und die ohnehin exportstarke japanische Industrie operativ entlasten. Eine konservative Umsetzung dieser These ist ein Engagement in einem ETF auf den MSCI Japan oder Nikkei 225.

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